Leitfaden für eine sichere und zukunftsfähige Umstellung
Der Wechsel der Arztsoftware ist für jede Praxis ein strategischer Schritt und in der Regel ein Umbau im laufenden Betrieb. Prozesse, Abrechnung, Dokumentation, Kommunikation und Datenschutz hängen unmittelbar vom gewählten System ab. Umso wichtiger ist es, strukturiert und vorausschauend vorzugehen.
In diesem Beitrag zeigen wir, worauf es wirklich ankommt. Plus: Welche Besonderheiten gibt es beim Wechsel von einer klassischen Desktop-Lösung zu einer Cloud-Software zu beachten?
1. Gründe für den Softwarewechsel klar definieren
Bevor Angebote eingeholt werden, sollten die Ziele klar formuliert werden:
- Ist das aktuelle System technisch veraltet?
- Gibt es Einschränkungen bei Abrechnung oder Schnittstellen?
- Werden neue gesetzliche Anforderungen nicht unterstützt?
- Fehlt mobiles oder standortübergreifendes Arbeiten?
- Ist das System nicht ausreichend benutzerfreundlich?
Eine Bestandsaufnahme hilft, das Zielbild zu definieren und die neue Arztsoftware anhand klarer Vorstellungen auszuwählen.
2. Funktionsumfang & Zukunftssicherheit prüfen
Nicht jede Arztsoftware deckt dieselben Funktionen ab. Wichtige Prüfpunkte sind:
- Abrechnungsprozesse
- ELGA-Funktionen
- Schnittstellen zu Laboren & Geräten
- Kalender- und Terminmanagement
- Patientenportal / Online-Terminbuchung
- Digitale Kommunikation und Dokumenten-Übermittlung
- Reporting & Controlling
- DSGVO-konforme Dokumentation
- Fachspezifische Module
- Integrierte Möglichkeiten für Telemedizin
Zudem bieten neue Technologien, wie künstliche Intelligenz, ein enormes Potenzial für die weitere Digitalisierung im Gesundheitswesen. Es gilt daher auch zu bewerten, wie zukunftsfähig die neue Software ist. Nutzt sie bereits neue Möglichkeiten wie KI, um die Ordination spürbar zu entlasten? Nicht zuletzt durch den umfänglichen Ausbau von ELGA wird die Ordinationssoftware zukünftig zur zentralen Drehscheibe im öffentlichen Gesundheitsnetz. Umso entscheidender ist es, auf moderne Lösungen zu setzen, die eine hohe Anpassungsfähigkeit und Interoperabilität bieten.
3. Datenmigration: Der kritische Erfolgsfaktor
Die Übernahme der Bestandsdaten ist der sensibelste Teil des Wechsels. Wichtige Fragen, die Sie sich stellen sollten:
- Welche Daten werden migriert?
- Welche Datenformate unterstützt die neue Software?
- Werden Dokumente, Bilder und Historien übernommen?
- Wie wird die Migration erfolgen, gibt es Testmigrationen vor dem Livegang?
Eine erfolgreiche Datenmigration ist essenziell – nicht nur aus organisatorischen, sondern auch aus rechtlichen Gründen.
4. Schulung & Change Management
Ein neues System bedeutet veränderte Abläufe für Ihr Ordinationsteam und auch die Chance, Prozesse weiter zu automatisieren. Doch selbst die beste Software scheitert, wenn das Team nicht mitgenommen wird. Unsere Empfehlungen:
- Frühzeitige Einbindung des Teams
- Schulung in kleinen Gruppen
- Praxisnahe Testphase
- Klare Zuständigkeiten im Projekt (Projektleitung)
- Fester Go-Live-Termin mit Support-Begleitung
Die Akzeptanz des Ordinationsteams entscheidet maßgeblich darüber, wie effektiv die Software später eingesetzt wird.
Wechsel von Desktop-Software zu Cloud
Der Umstieg von einer lokal installierten Arztsoftware auf eine Cloud- oder SaaS-Lösung ist mehr als ein technischer Wechsel – er verändert das gesamte IT-Modell der Praxis.
Bei einer klassischen Desktop-Software haben Sie in der Regel einen Server in Ihrer Praxis, sichern Daten lokal, haben IT-Wartungsverträge abgeschlossen und in Hardware investiert. Ganz anders bei einer Cloud-Lösung: Es ist kein eigener Server notwendig, auf die Software greifen Sie standortunabhängig über Ihren Internetbrowser zu, Updates werden automatisch eingespielt. Das reduziert Wartungsaufwand, setzt aber eine stabile Internetverbindung voraus.
Cloud-Software bietet entscheidende Vorteile. Um bestmöglich davon zu profitieren, sollten Sie im Auswahlprozess besonders diese Aspekte prüfen:
Datenschutz & Hosting
Gerade im Gesundheitswesen gelten höchste Datenschutzanforderungen. Cloud bedeutet nicht weniger Sicherheit – im Gegenteil: Professionelle Rechenzentren bieten oft höhere Standards als Praxisserver. Wichtige Prüfpunkte:
- Wo erfolgt das Hosting der Software?
- Werden alle Datenschutzanforderungen erfüllt?
- ISO-27001-Zertifizierung?
- Verschlüsselung der Daten?
- Rollen- und Rechtekonzept?
Verfügbarkeit & Ausfallsicherheit
Eine häufige Sorge bei Cloud-Lösungen ist die Erreichbarkeit. Heute sind Cloud-Lösungen jedoch so weit entwickelt, dass sie eine höchstmögliche Verfügbarkeit bieten. Wichtige Aspekte, um die Verfügbarkeit sicherzustellen, sind vor allem:
- Redundante Rechenzentren
- Daten-Backup-Strategie
Wirtschaftlichkeit neu bewerten
Beim Wechsel zu einer Cloud-Software muss auch die Wirtschaftlichkeit anders bewertet werden. Bei Desktop-Software gilt:
- Einmalige Lizenzkosten
- Hohe Anfangsinvestition durch Server-Hardware
- Erneuerung der Server-Infrastruktur nach einigen Jahren notwendig
- Monatliche bzw. jährliche Wartungskosten
- In der Regel IT-Support bzw. IT-Fachkräfte erforderlich
Hingegen im Cloud-Modell:
- Monatliche bzw. jährliche Nutzungsgebühr
- Keine Serverkosten
- Keine zusätzlichen Kosten für Updates
- Keine IT-Fachkräfte erforderlich
- Skalierbarkeit bei Praxiswachstum
Oftmals erscheinen die monatlichen Nutzungsgebühren für eine Cloud-Lösung im Vergleich zu den monatlichen Wartungskosten für Desktop-Software hoch. Jedoch muss berücksichtigt werden, dass die Desktop-Lösung eine hohe Anfangsinvestition erfordert hat, wie den Kauf der Software und etwaiger Hardware (die zudem regelmäßig erneuert werden muss). Cloud-Lösungen sind auch deshalb effizienter, weil keine weiteren Kosten für die monatliche Wartung entstehen. Sie sind zudem sehr intuitiv, erfordern in der Regel keinen IT-Betreuer und bieten sehr gute Support-Leistungen.
Fazit: Der Wechsel lohnt sich oft – und sollte gut geplant werden
Der Wechsel der Arztsoftware ist eine Investition in die Zukunftsfähigkeit der Ordination. Besonders der Umstieg von einer Desktop- auf eine Cloud-Lösung bietet enormes Potenzial, erfordert aber sorgfältige Planung und einen starken Partner an der Seite.
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